Ernüchternde Energiewende-Bilanz zum Jahresende

Gestiegene Kosten, verfehlte Emissionsziele und ein Rückgang der Investitionen in energetische Sanierungsmaßnahmen waren im Dezember die zentralen Themen in den viralsten Meldungen rund um die Energiewende.  

Die höchste Viralität entfiel auf eine Meldung von Focus Online über die hohe Anzahl von Stromsperren und Sperr-Androhungen im vergangenen Jahr. Demnach wurde 2016 insgesamt 330.000 Haushalten wegen unbezahlter Rechnungen der Strom abgestellt. Darüber hinaus erhielten 6,6 Millionen säumige Zahler eine Sperr-Androhung. Wie Focus Online berichtet, sehen Kritiker einen Zusammenhang zwischen dieser Entwicklung und dem starken Anstieg der Energiepreise im Zuge der Energiewende. So hat sich der durchschnittliche Strompreis seit dem Jahr 2000 von 15 Cent pro Kilowattstunde auf rund 30 Cent pro Kilowattstunde verdoppelt.

Der Welt.de Artikel „Warum Deutschland die Lust am Energiesparen verliert“ stieß in der Netzgemeinde ebenfalls auf großes Interesse. Darin räumt Michael Fabricius mit dem Selbstbild der Deutschen als Vorreiter beim Energiesparen auf. Demnach sind die Investitionen in energetischen Modernisierungsleistungen rückläufig und in weiten Teilen der Bevölkerung herrschen Attentismus und Sanierungs-Müdigkeit vor. Auch der Endenergieverbrauch für Raumheizwärme ist im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr merklich gestiegen. Die Ursachen für die aktuelle Unlust am Energiesparen sieht das Institut der deutschen Wirtschaft in den gesunkenen Preisen für Gas und Heizöl sowie falschen Anreizen durch die Politik.

Eine positive Nachricht hatte Spiegel Online zu vermelden. So ist die Windenergie im Jahr 2017 zur zweitwichtigsten Stromquelle hinter der Braunhohle aufgestiegen und überholte damit erstmals Steinkohle und Kernenergie. Insgesamt lag der Anteil der Windkraft an der gesamten Stromproduktion bei knapp 18 Prozent. Gleichzeitig verfehlt die deutsche Energiewende laut einer im Auftrag der bayerischen Wirtschaft erstellten und in einer weiteren Spiegel Online-Meldung aufgegriffenen Studie alle ihre wesentlichen Effizienzziele. Der Frage, wie es zu diesem Paradox kommen kann, ging Mathias Hertle in der Reportage „Was läuft da falsch?“ auf FAZ.net nach.

Der Blick nach China zeigt allerdings, dass auch hier der Schein der nach außen propagierten Energiewende trügt, wie Hendrik Ankenbrand in „Rettet China das Klima?“ auf FAZ.net ausführt. So verfügt das Land zwar über die weltweit bei weitem höchste Kapazität an Windkraft- und Solar-Anlagen und möchte in nächsten drei Jahren rund 317 Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energien investieren, aber gleichzeitig steigen die CO2-Emissionen und der Kohleverbrauch weiter an und von den großen Provinzen verfügen bis zu 40 Prozent über keinen Anschluss an das Stromnetz.

In weiteren Meldungen wurden die Erhöhung der Grundgebühren durch viele Netzbetreiber, die Bedrohung der globalen Energiewende durch den enormen Stromverbrauch der Kryptowährung Bitcoin sowie ein vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron in Paris ausgerichteter Gipfel zur Finanzierung des Kampfs gegen den Klimawandel thematisiert.

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