Energiewende kein relevantes Thema im Bundestagswahlkampf

Die Energiewende spielte im Bundestagswahlkampf medial keine große Rolle. Im September konnte keiner der Medienberichte zur Energiewende in den reichweitenstärksten Online-Medien eine große Aufmerksamkeit in der Netzgemeinde erzielen. So lag die Viralität bei allen gemessenen Beiträgen auf unterdurchschnittlichem Niveau. Dies könnte sowohl auf eine wahlbedingte Verschiebung des Themenfokus bei Medien und Lesern als auch auf die insgesamt niedrige Präsenz des Themas im Wahlkampf zurückzuführen sein.

Auf dem ersten Platz des monatlichen Viralitäts-Rankings landete eine Meldung zu den klimapolitischen Zielen der „Alternative für Deutschland“. Wie der Tagesspiegel berichtet, bestreiten die Spitzenkandidaten der Partei einen vom Menschen gemachten Klimawandel und fordern einen Austritt aus dem Pariser Klimaschutzabkommen sowie die Einstellung aller Klimaschutzmaßnahmen und den Stopp der Energiewende.

Wie schon in den vergangenen Monaten waren in vielen weiteren Meldungen die E-Mobilität sowie Möglichkeiten und Grenzen einer Verkehrswende das beherrschende Thema. So sagt der Physiker Richard Randoll in einem Spiegel Online-Interview das endgültige Aus des Verbrennungsmotors für das Jahr 2026 voraus. Seinen Berechnungen nach wird bereits in neun Jahren die komplette Weltproduktion aus Elektrofahrzeugen bestehen.

Eine auf FAZ.net thematisierte Studie der Universität Stanford stellt darüber hinaus den weltweiten Ausstieg aus fossilen Energieträgern bis zum Jahr 2050 in Aussicht. So ist laut der Forscher in einem idealen Szenario, durch die Elektrifizierung aller Energiesektoren und die Umstellung der Energieproduktion auf regenerative Quellen, ein vollständiger Verzicht auf fossile Brennstoffe möglich.

Deutlich skeptischer zeigten sich dagegen zwei Autoren auf Zeit Online. So beklagt Lukas Koschnitzke in seinem Kommentar, Deutschland drohe den Anschluss bei der E-Mobilität zu verlieren. Er zieht die umfangreichen Ankündigungen der deutschen Automobilhersteller zur Entwicklung von Elektromodellen in Zweifel. In dem Artikel „Wenn das E-Auto kommt“ geht Christof Vieweg auf die verschiedenen Folgen ein, die ein Ende des Verbrennungsmotors für den Industriestandort Deutschland mit sich bringen würde.

Zwei Meldungen hatten darüber hinaus die sich anbahnende Verfehlung der deutschen Klimaschutzziele zum Thema. So wird Deutschland laut Berechnungen des „Bundesverbands Erneuerbare Energien“, dass EU-Ziel von einem 18-Prozent-Anteil der erneuerbaren Energien am Gesamtenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 deutlich verfehlen. Die angestrebte 40-prozentige Reduktion der Treibhausgas-Emissionen zwischen 1990 und 2020 ist laut der Denkfabrik „Agora Energiewende“ ebenfalls nicht mehr zu erreichen. Stattdessen werde der Ausstoß um lediglich 30 bis 31 Prozent zurückgehen.

In weiteren Beiträgen wurde die zunehmend hohe Belastung deutscher Unternehmen durch die Strom-Zusatzkosten sowie die Inbetriebnahme einer 19 Millionen teuren Flüssigbatterie zur Speicherung von Windstrom bei Karlsruhe thematisiert.