Die Energiewende ist vor allem ein Verteilungskampf

„Die Energiewende wirtschaftlich gestalten“, lautete das Thema einer Seminarveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung in Wesseling bei Bonn. Neben Christoph Weckenbrock vom Institut für Energie- und Klimaforschung am Forschungszentrum Jülich und Björn Warkalla von planpolitik, war auch Diskurs-Geschäftsführer Jürgen Scheurer zu zwei Vorträgen vor jungen Wirtschaftswissenschaftlern eingeladen.

Eine  seiner Thesen: Nach dem Unglück von Fukushima und der Forcierung der Energiewende wurde es versäumt, eine gesellschaftliche Debatte über die Auswirkungen, die Rollen der einzelnen Akteure und die zu bewältigenden Aufgaben zu führen. Darüber hinaus hätten sich Politik, Energiewirtschaft und Interessengruppen nicht ausreichend über die Energiewende als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verständigt.  Nun würden die Debatten vor allem vor Ort bei den einzelnen Projekten wie dem Bau von Erzeugungsanlagen oder Stromtrassen und bei der Frage nach Kosten und Preisen geführt. „Daher tobt seit geraumer Zeit vor allem ein Verteilungskampf um Subventionen, Ressourcen, Zukunfts- und Marktchancen“, stellte der Kommunikationsberater in seinem Vortrag fest. Dabei fühlten sich die Bürger vor allem in ihrer Rolle als Privatkunden zunehmend als Verlierer, welche die Zeche bezahlen.

„Die Wirtschaft kämpft damit, dass sich das energiepolitische Zieldreieck von Umweltverträglichkeit, Wirtschaftlichkeit und Versorgungssicherheit verschoben hat und sich seit einiger Zeit im Ungleichgewicht befindet“, so der Energieexperte. Die Energiebranche durchlebe nach seiner Auffassung eine gewaltigen Umstrukturierung, die einer industriellen Revolution gleichkomme. Dies zeige sich unter anderem am schnellen Aufstieg und Niedergang der Solarwirtschaft in Deutschland und den massiven Verlusten bei den großen EVU und Stadtwerken. Ein neues Gleichgewicht, neue Geschäftsmodelle der Energieversorger und andere Formen der Kommunikation aller Beteiligten seien notwendig, um den Verteilungskampf zu beenden und die Energiewende zum Erfolg zu führen.

Die Vorträge gibt es hier.

Schreibe einen Kommentar