Der Kampf um den Atomausstieg und die Kohlenutzung

Wie bereits im vorangegangenen Monat Februar dominiert das Thema des Atomausstiegs auch im März die Berichterstattung über die Energiewende. In diesem Monat auch im direkten Zusammenhang mit dem Einsatz von Kohlekraftwerken. Während Bundesregierung und Großkonzerne sich einen Kampf der Giganten liefern, werden anderswo in der Welt weiter Lebensräume zerstört.

Der CO2-Ausstoß macht einen großen Sprung. Forscher melden die schnellste Zunahme des Haupttreibers der Klimaerwärmung seit Beginn der ersten Messungen vor 56 Jahren. Mit 32 Verlinkungen und 589 Kommentaren rangiert der Artikel von Spiegel Online damit auf Platz 1 der viralsten Medienberichte zur Energiewende im Monat März.
Als logische Folge wird auch der Abschied von der Braunkohle heiß diskutiert. Ein detailliertes Konzept der Agora Energiewende wurde dazu bereits vorgestellt. Michael Vassiliadis, Chef der IG BCE und wirtschaftlich wie auch politisch gut vernetzt, heißt dies gar nicht gut und kontert mit einem Gegenentwurf, um den Ausstieg aus der Braunkohle so weit wie möglich in die Zukunft zu verschieben (Zeit Online, Platz 9).

Zum Kohleabbau werden in den USA sogar ganze Berggipfel gerodet und deren Kuppen gesprengt, um an die darunterliegende Kohle zu gelangen (Platz 8). Der verseuchte Abraum wird dann, ohne Rücksicht auf die Natur, in nahegelegene Täler geschüttet. Das Verfahren hat damit auch verheerende Folgen für die umliegenden Anwohner. RWE wie auch die Deutsche Bank sind darin involviert. Dies mag einem zu Denken geben, zumal die RWE sich radikal in Richtung
Erneuerbare Energien umstrukturieren will.

Fast nebenbei streiten sich die Bundesregierung und die Großkonzerne im Zusammenhang mit dem Atomausstieg vor Gericht. In Karlsruhe beschäftigt man sich mit einer Verfassungsklage und der Frage nach einer Enteignung deutscher AKW-Betreiber, schreibt Stefan Schultz von Spiegel Online (Platz 2). E.on, RWE und Vattenfall verlangen Schadensersatz und kämpfen um ihr Recht, vor allem aber um viel Geld und ihre Zukunft. Nach nun fünf Jahren soll endlich eine Entscheidung fallen.

Insgesamt stockt die Welt ihre Kernenergiekapazitäten weiter auf. 65 neue Kernkraftanlagen befinden sich laut FAZ bereits im Bau (Platz 5). Grund für die weitere Nutzung von Kernenergie ist an erster Stelle die Abhängigkeit von dieser Energiequelle, denn in vielen Ländern ist die Kernkraft nach wie vor ein unverzichtbarer Bestandteil des Strommixes. Auch die Japaner versuchen sich am nuklearen Neustart, statt sich als Vorreiter bei den erneuerbaren Energien zu etablieren. Nach der Analyse von Wieland Wagner (Spiegel Online, Platz 3) bisher allerdings wenig erfolgreich, denn der Neustart wird bereits zu Beginn von Pannen überschattet. In Bezug auf Fukushima hofft man wohl auf die Vergesslichkeit der Landsleute und lockt mit finanziellen Anreizen.

Für einen möglichst schnellen Ausstieg aus der Atomkraft würden allerdings auch die potenzielle Terrorgefahr und deren dramatische Folgen sprechen. In Belgien wurden zwei Atomkraftwerke teilevakuiert, da man in den Reihen der Mitarbeiter terroristische Schläfer vermutete. Ermittler seien auf eindeutige Hinweise für einen geplanten Anschlag gegen Nuklearanlagen in Belgien gestoßen, schreibt Focus-Online Redakteur Ulf Lüdeke (Platz 4).

Weniger gute Neuigkeiten versprechen auch die neuesten Erhebungen von McKinsey im Rahmen ihrer Energiewende-Studie (Die Welt, Platz 10). Demzufolge gelten sieben Indikatoren zur Zielerreichung als unrealistisch. Beispielsweise steigt die EEG-Umlage weiterhin, die Strompreise bleiben hoch und auch die CO2-Emssionen steigen. Alles in allem keine guten Voraussetzungen zum Erreichen der Klimaziele.

Steigende CO2-Emissionszahlen als potenzielle Treiber der Deindustrialisierung Deutschlands? Die auf der Weltklimakonferenz gesammelten Vorschläge zur künftigen deutschen Klimaschutzpolitik verheißen nichts Gutes für die Wirtschaft, sollten sie so radikal umgesetzt werden, warnen die Wirtschaftsverbände nach einem Bericht der Welt (Platz 7). Höhere Mieten, Steuern und massive Kostensteigerungen für Industriebetriebe sind nur ein Teil der zu erwartenden Folgen. Es gibt aber auch noch etwas erfreulichere Nachrichten, denn mehr und mehr Banker fangen an, sich für das Thema Klima zu interessieren. Durch die Ziele im Rahmen des neu vereinbarten Klimaabkommens Ende 2015, steht ein billionenschwerer Umbau der Weltwirtschaft an, so Spiegel Online (Platz 6). Bisher mangelt es zwar an den passenden Finanzprodukten, dennoch ist das Interesse am Ausstieg aus fossilen Energien auf den Finanzmärkten deutlich gewachsen.

Download: Diskurs Themen-Monitor Energiewende im März 2016

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