Berichterstattung über die Energiewende ohne große Breitenwirkung

Die Medienberichterstattung über die Energiewende entfaltete im vergangenen Monat wenig Breitenwirkung. Im Mai konnte keine Meldung zur Energiewende einen signifikanten Viralitäts-Wert erzielen. Acht der zehn viralsten Artikel entfielen auf Spiegel Online und Welt.de.

Noch am meisten Aufmerksamkeit in der Netzgemeinde konnte ein Spiegel Online Bericht über die Verweigerungshaltung der deutschen Bundesregierung mit Blick auf eine verstärkte Erforschung der Energiearmut in Deutschland erreichen. Berlin sperrt sich demnach gegen einen Vorstoß der EU-Kommission, welche die Mitgliedstaaten der EU verpflichten möchte, mehr Daten über das Phänomen der Energiearmut zu sammeln. Die genauen Gründe hierfür blieben dem Autor des Artikels allerdings verborgen.

In dem zweitplatzierten Artikel „Deutschlands erfolgreiche Elektroautos“ räumt der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen Christoph M. Schwarzer auf Zeit Online mit der Vorstellung der bei der Elektromobilität ins Hintertreffen geratenen deutschen Autoindustrie auf. Vielmehr habe sich die Branche in Europa zum Leitanbieter für elektrische Fahrzeuge entwickelt. So stellt Schwarzer hierzu heraus: „Die Vorstellung, die deutsche Autoindustrie wäre bei der Elektromobilität abgeschlagen und verloren, ist durch die Fakten also nicht gedeckt.“ Schwarzer war im Mai mit einem weiteren Meinungsbeitrag auf Welt.de in der Top 10 der viralsten Meldungen vertreten.

Im Wirtschaftsministerium steht derweil mit dem Einspeisevorrang für Ökostrom ein zentrales Instrument zur Förderung von erneuerbaren Energien auf dem Prüfstand. So berichtet Stefan Schultz auf Spiegel Online, dass mehrere Forschungsinstitute in einer durch das Ministerium beauftragten und bisher unveröffentlichten Analyse eine Relativierung der „Vorfahrt von Ökostrom“ bei der Einspeisung in die Netze empfehlen, um die Kosten für das Management von Netzengpässen zu minimieren.

In einer weiteren Meldung berichtete Stefan Schultz über Planungen für einen tiefgreifenden Umbau des Stromnetzes in Großbritannien, durch welchen innerhalb der nächsten Jahre das weltweit größte Netz an Batteriespeichern mit einer Leistung von mehr als zwei Gigawatt entstehen soll. Dazu werden „45 Batteriespeicher mit einer Leistung von je 50 Megawatt an neuralgischen Punkten des Stromnetzes in England, Schottland und Wales“ installiert, um den überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen zwischenspeichern zu können. Darüber hinaus soll das weltweite größte Netz an Schnellladestationen für elektrische Autos errichtet werden.

Zwei sehr lesenswerte Meinungsbeträge auf Welt.de belegten die Plätze 5 und 6 des Viralitäts-Rankings. In „Es wäre ehrlicher, sich von den Klimazielen völlig zu verabschieden“ geht Daniel Wetzel mit der aktuellen Bundesregierung hart ins Gericht und wirft ihr eine fehlende Bereitschaft für die aus seiner Sicht notwendige grundlegende Neuausrichtung der Energiewende vor. „Die Ausweitung und Intensivierung des durchaus erfolgreichen europäischen Emissionshandels“ bleibt für Wetzel „die einzige Hoffnung im Klimaschutz.“

In eine ähnliche Richtung geht auch der Meinungsbeitrag des Wirtschaftsweisen Christoph M. Schmidt. In seiner Analyse „Der große Konstruktionsfehler der Energiewende“ geht Schmidt ausführlich auf die aus seiner Sicht „volkswirtschaftlich ineffiziente und verteilungspolitisch bedenklichen Subventionierung der Erneuerbaren im Stromsektor“ ein und macht sich für ein marktbasiertes System zur Bekämpfung des Klimawandels mit einem einheitlichen Preis für CO2-Emissionen und einen internationalen Emissionshandel stark.

In weiteren Meldungen wurde die Zusammensetzung der Kommission für die Ausarbeitung eines Masterplans für den Kohleausstieg, das Fehlen einer Förderung für energetischen Gebäudesanierung im Haushaltsentwurf des Finanzministers und eine Einschätzung der Bundesnetzagentur zum zeitlichen Ablauf des Kohleausstiegs thematisiert.

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